Albachten Ost erhält die Straßennamen Marga-Spiegel-Straße, Nelly-Sachs-Weg, Barbara-Renz-Weg und Lily-Braun-Weg

Die Verwaltung schlägt vor die Straßenbenennungen im Baugebiet Albachten Ost nach Marga Spiegel, Nelly Sachs, Barbara Renz und Lily Braun vorzunehmen.

Mit Schreiben vom 21. April 2021 stellte die CDU-Ratsfraktion den Antrag, als bleibende Erinnerung eine Straße in Münster nach Marga Spiegel zu benennen. Die CDU-Ratsfraktion begründete ihren Antrag damals wie folgt:

Marga Spiegel, *21.6.1912 †11.3.2014,

Als Überlebende des Holocaust engagierte sich Marga Spiegel in Aktionen wider das Vergessen und Verdrängen der deutschen Untaten 1933 bis 1945. Im Zweiten Weltkrieg entkam sie der Judenverfolgung in Ahlen und lebte mit ihrer kleinen Tochter Karin versteckt bei der Bauernfamilie Aschoff in Herbern bei Ascheberg. Nach dem Krieg zeichnete Spiegel ihre Erinnerungen an das Untertauchen auf, die erstmals zwischen Januar und Mai 1965 in 17 Folgen in der münsterischen Bistumszeitung „Kirche und Leben“ veröffentlicht wurde. 1969 erschienen ihre Erinnerungen unter dem Titel „Retter in der Nacht“ in Buchform. Das Buch gilt heute als wichtige Quelle für die Geschichte der westfälischen Juden zur Zeit des Holocaust. Im selben Jahr wurden die Bauernfamilien, die die Spiegels versteckten, durch den israelischen Botschafter in Deutschland, Asher Ben-Natan, geehrt. Die Verfilmung ihrer Lebensgeschichte „Unter Bauern“ machte Marga Spiegel deutschlandweit bekannt. Sie war mit Münster eng verbunden. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahre 1982 zog sie nach Münster, wo sie bis zu ihrem Tod lebte. Sie verstand sich als Brückenbauerin zur nichtjüdischen Mehrheit. Ihr Leben war geprägt von Versöhnung. In Münster wurde sie in der jüdischen Gemeinde aktiv und besuchte auch ungezählte Schulklassen als Zeitzeugin. Auch hielt Spiegel Lesungen und beteiligte sich an Diskussionen gegen das Vergessen. Sie kümmerte sich ebenfalls um jüdische Kultur. Aus ihrem Nachlass wurden bedeutende Werke mehrere jüdischer Künstler in Münster versteigert. Dazu zählen die Bilder von Judith Pins, die jahrelang in Münster lebte.

Nelly Sachs, *10.12.1891 †12.5.1970, war eine jüdisch-deutsche Schriftstellerin. Sie floh 1939 vor dem NS-Regime nach Schweden. Sie wurde 1966 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Der Vorschlag wurde im Jahr 2012 im Zusammenhang mit der Umbenennung von NS-belasteten Straßen gemacht.

Barbara Renz, *12.12.1863, die katholische Frauenrechtlerin gilt als frühe Aktivistin für Frauenbildung und Gleichstellung. Nach der Beendigung ihres Studiums der Philosophie, Literatur und Psychologie an der Sapienza-Universität in Rom kehrte sie mit Abschluss ihrer Doktorarbeit nach Bayern zurück. Da Frauen jedoch zum damaligen Zeitpunkt eine Anstellung an einer Universität nicht gestattet war, nahm sie eine fünfjährige Tätigkeit als Privatlehrerin in der USA auf. Gemeinsam mit ihrem Bruder kam sie 1902 schließlich nach Münster, wo sie eine Zweigstelle des Katholischen Frauenbundes eröffnete. Auch erhielt sie in Münster die Erlaubnis, an der Universität Abendvorlesungen zu halten. Als Frauenrechtlerin machte sie sich insbesondere für die Gleichstellung der Frau in der Gesellschaft und in der katholischen Kirche stark. Von besonderer Bedeutung war für sie bis zu ihrem Lebensende 1955 zudem der Kampf für das Recht von Mädchen und Frauen auf Ausbildung und Studium.

Lily Braun, *2.7.1865, die Frauenrechtlerin und Autorin setzte sich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein und engagierte sich so als eine der führenden Persönlichkeiten der damaligen Frauenbewegung von 1887 bis 1890 in Münster für dieses Ziel. Auch verfasste sie mehrfach Artikel für die Zeitschrift „Frauenbewegung“, nachdem sie sich bereits in Jugendjahren kritisch mit sozialer Ungerechtigkeit und der Ungleichstellung der Frau in der deutschen Adelsgesellschaft auseinandergesetzt hatte. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1917 setzte sie sich zudem als Mitbegründerin des „Bundes für Mutterschutz“ für bessere Arbeitsbedingungen für Frauen und Mütter ein und gilt als wichtige Figur der frühen Frauenemanzipationsbewegung des Kaiserreiches

Die Verwaltung empfiehlt, die von der CDU in der BV West am 20.08.2021 vorgeschlagenen drei Albachtener Personen Maria Bruns, Maria Eggemann und Joseph Spieker zu einem späteren Zeitpunkt in einem anderen Baugebiet in Albachten zu verwenden.

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