Ältere Menschen dürfen bei der Neuordnung des Busverkehrs nicht auf der Strecke bleiben
Die Senioren-Union Münster kritisiert die in der Verwaltungsvorlage V/0505/2026 Stadt Münster vorgesehene Änderung der Linienführung der Buslinien 1 und 9. Danach sollen beide Linien künftig nicht mehr durch die Altstadt fahren. „Für viele ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen aber auch Familien aus Kinderhaus und Sprakel würde dies eine erhebliche Verschlechterung der Erreichbarkeit der Innenstadt bedeuten“, kritisierte der Vorsitzende der Senioren-Union Münster Peter Wolfgarten den Vorschlag.
„Ein schnellerer Bus ist für ältere Menschen kein Fortschritt, wenn sie dafür zusätzliche Wege zurücklegen oder umständlich umsteigen müssen. Entscheidend ist nicht allein, wie schnell ein Bus fährt, sondern ob die Menschen ihr Ziel bequem, sicher und möglichst ohne Umsteigen erreichen können“, betont die Senioren-Union Münster. Die an den Wünschen und Fähigkeiten älterer Menschen orientierte Gestaltung der Wege ist ein wichtiger Beitrag zu einem altengerechten ÖPNV.
Die Zahlen der Stadtverwaltung sprechen eine deutliche Sprache: Nach der Vorlage nutzen 23 Prozent der Fahrgäste aus Kinderhaus und sogar 30 Prozent der Fahrgäste aus Sprakel die Altstadthaltestellen zum Aussteigen. Für diese Menschen würde die geplante Linienänderung bedeuten, dass sie ihre gewohnten Ziele in der Innenstadt nicht mehr direkt erreichen können.
Besonders problematisch ist dies vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung. Im Bereich Kinderhaus-West liegt der Anteil der über 80-Jährigen mit 7,0 Prozent bereits deutlich über dem gesamtstädtischen Durchschnitt von 5,9 Prozent. Gerade für diese Altersgruppe sind kurze Wege, gut erreichbare Haltestellen und möglichst umsteigefreie Verbindungen von besonderer Bedeutung.
„Was für jüngere und mobile Fahrgäste vielleicht nur wenige zusätzliche Gehminuten bedeutet, kann für hochbetagte Menschen mit Rollator oder eingeschränkter Mobilität zu einer kaum überwindbaren Hürde werden“, betont Wolfgarten.
Die Innenstadt ist für die Menschen weit mehr als ein Einkaufsstandort. Hier befinden sich Arztpraxen, Apotheken, kulturelle Einrichtungen, Begegnungsstätten, Kirchen, der Wochenmarkt und zahlreiche weitere Angebote des gesellschaftlichen Lebens. Ihre gute Erreichbarkeit ist deshalb eine wesentliche Voraussetzung für Selbstständigkeit und soziale Teilhabe.
Hinzu kommt, dass viele ältere Menschen häufig kein eigenes Auto besitzen oder aus gesundheitlichen beziehungsweise finanziellen Gründen nicht mehr selbst fahren können. Sie sind in besonderem Maße auf einen gut funktionierenden öffentlichen Nahverkehr angewiesen.
Die Senioren-Union Münster erkennt ausdrücklich an, dass die Stadtwerke und die Stadtverwaltung den Busverkehr beschleunigen, zuverlässiger gestalten und attraktiver machen wollen. Pünktlichkeit, kürzere Fahrzeiten und wirtschaftliche Betriebsabläufe sind wichtige Ziele. Sie dürfen jedoch nicht einseitig zulasten derjenigen Fahrgäste verfolgt werden, die auf besonders kurze, sichere und barrierearme Wege angewiesen sind. Der ÖPNV als System endet nicht an den Haltestellen, sondern umfasst auch die Zu- und Abgangswege zu diesen Schnittstellen.
Die Senioren-Union Münster fordert deshalb:
1. Die direkte Anbindung der Altstadt durch die Linien 1 und 9 muss erhalten bleiben. Die geplante Linienführung ist entsprechend zu überprüfen und anzupassen.
2. Die Bedürfnisse älterer und mobilitätseingeschränkter Menschen müssen bei der Liniennetzplanung stärker berücksichtigt werden. Dazu gehören insbesondere kurze Fußwege, barrierefreie Haltestellen und die Vermeidung zusätzlicher Umstiege.
3. Die Auswirkungen der geplanten Änderungen auf die Erreichbarkeit wichtiger Ziele in der Innenstadt müssen transparent untersucht werden. Dabei dürfen nicht allein Fahrzeitgewinne, sondern müssen auch zusätzliche Gehstrecken und Umsteigezeiten bewertet werden.
4. Die Stadt muss die demografische Entwicklung in den einzelnen Stadtteilen stärker berücksichtigen. Gerade in Quartieren mit einem hohen und wachsenden Anteil hochbetagter Menschen muss die wohnortnahe Mobilität gesichert bleiben.
5. Seniorenvertretungen und betroffene Fahrgäste müssen frühzeitig in die weiteren Planungen einbezogen werden.
„Eine altersfreundliche Stadt erkennt man auch daran, wie gut ältere Menschen ohne eigenes Auto am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Wer die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs steigern will, darf nicht nur auf die Uhr schauen, sondern muss auch die Wege und Bedürfnisse der Fahrgäste im Blick behalten“, erklärt die Senioren-Union.
Senioren-Union Münster, 29.10.2026
